Wacken Open Air 2025
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Mittwoch – Regen, Wiedersehen und ein triumphaler Spielmannsschwur

Schon am frühen Mittwochmorgen wurde klar: Das Wetter würde in diesem Jahr eine tragende Rolle spielen. Was zunächst wie typischer norddeutscher Sommerregen wirkte, entwickelte sich im Verlauf des Tages zu einem Dauerzustand. Wege verwandelten sich innerhalb weniger Stunden in knöcheltiefe Schlammpfade, Ponchos wurden zur Standarduniform und Gummistiefel avancierten endgültig zum wichtigsten Ausrüstungsgegenstand des Festivals.

Doch wer Wacken seit Jahren kennt und liebt, weiß genau, dass widrige Bedingungen auf dem Holy Ground keineswegs automatisch schlechte Stimmung bedeuten, sondern häufig sogar das genaue Gegenteil bewirken und die Gemeinschaft unter den Festivalbesuchern noch enger zusammenschweißen. Ganz im Gegenteil. Gerade die ersten Stunden auf dem Gelände wirkten fast wie ein kollektives Wiedersehen einer eingeschworenen Familie. Überall wurde gegrillt, Bierdosen zischten auf, die ersten Kutten wurden stolz präsentiert und bereits am Vormittag herrschte jene spezielle Mischung aus Vorfreude und Wahnsinn, die nur dieses Festival erzeugen kann.

Zwischen Feuerwehrkapelle und Metal Battle

Traditionell eröffneten die WACKEN FIREFIGHTERS das musikalische Geschehen. Während der Regen unaufhörlich auf die Wackinger Stage niederprasselte, spielte die Feuerwehrkapelle unbeirrt Blasmusik, Rockklassiker und metalisierte Polka-Versionen. Was auf dem Papier absurd klingt, funktionierte live wie immer hervorragend.

Die Fans sangen im Regen, schwenkten Bierhörner und tanzten bereits am frühen Nachmittag durch den Schlamm. Gerade diese Momente zeigen jedes Jahr aufs Neue, dass Wacken weit mehr ist als nur ein klassisches Rockfestival. Hier existiert eine ganz eigene Kultur zwischen Selbstironie, Gemeinschaft und Traditionspflege.

Parallel dazu begann auf den kleineren Bühnen bereits das internationale Metal Battle. Bands aus Guatemala, Argentinien, Ungarn oder Kirgisistan präsentierten sich einem neugierigen Publikum, das erstaunlich offen für musikalische Entdeckungen blieb.

THEOPHOBOS aus Guatemala überzeugten mit düsterem Black Metal und roher Intensität, während ELNUEVEONCE ihren südamerikanischen Groove Metal mit enormer Energie ins morastige Infield schleuderten. Gerade diese Vielfalt gehört inzwischen zu den größten Stärken des Festivals.

WIND ROSE eröffnen das Infield

Mit der offiziellen Öffnung des Infields gegen Nachmittag verwandelte sich die bis dahin eher angespannte und wettergeplagte Atmosphäre endgültig in jene explosive Mischung aus Euphorie, Lautstärke und kollektivem Wahnsinn, die das Wacken Open Air seit Jahrzehnten weltweit einzigartig macht. Tausende Fans strömten trotz Dauerregens auf das Gelände, viele davon bereits komplett durchnässt.

Den musikalischen Auftakt auf den großen Bühnen lieferten WIND ROSE – und die Italiener meisterten diese Aufgabe mit beeindruckender Spielfreude. Schon beim Opener „Dance Of The Axes“ zeigte sich, dass die Mischung aus Power Metal, Fantasy-Ästhetik und Mitsing-Hymnen perfekt zum Wacken-Publikum passt.

Die Band wirkte sichtbar stolz darüber, erstmals auf einer der Hauptbühnen zu stehen. Das Publikum honorierte dies mit Circle Pits im Schlamm und lautstarken Chören. „Diggy Diggy Hole“ entwickelte sich erwartungsgemäß zur gigantischen Mitgrölnummer, unterstützt von SALTATIO-MORTIS-Frontmann Alea.

Gerade im Zusammenspiel mit dem Wetter entstand eine fast surreale Atmosphäre. Während der Regen horizontal über das Infield peitschte, stampften Tausende Fans durch den Morast und feierten die Zwergenhymnen der Italiener, als gäbe es kein Morgen.

DOGMA und die Kunst der Inszenierung

DOGMA sorgten derweil auf der Louder Stage für eines der visuell interessantesten Sets des Tages. Die mysteriöse Band, deren Mitglieder unter Pseudonymen auftreten und bewusst mit religiöser Symbolik spielen, präsentierte eine perfekt durchinszenierte Show.

Die Mischung aus klassischem Heavy Metal, Occult-Rock-Ästhetik und provokativer Theatralik funktionierte überraschend gut. Vor allem die Bühnenpräsenz der Musikerinnen und die düstere Inszenierung verliehen dem Konzert eine besondere Atmosphäre.

Musikalisch blieb vieles eingängig und hymnisch, ohne jemals in bloßen Kitsch abzurutschen. Gerade im strömenden Regen wirkte der Auftritt fast filmreif.

APOCALYPTICA liefern Cellogewitter

Einen der musikalisch stärksten Auftritte des Tages lieferten APOCALYPTICA. Die Finnen konzentrierten sich nahezu ausschließlich auf METALLICA-Material und bewiesen einmal mehr, wie einzigartig ihre Verbindung aus Klassik und Metal bis heute funktioniert.

Die gewaltigen Cellosounds hallten über das komplett aufgeweichte Gelände und verliehen Songs wie „Master Of Puppets“ oder „Seek & Destroy“ eine enorme Wucht. Trotz der widrigen Bedingungen blieb das Publikum nahezu durchgehend vor der Bühne.

Es war einer jener Momente, in denen Wacken seine Magie entfaltet: Regen, Matsch und Kälte verschwanden plötzlich aus dem Bewusstsein, weil Musik und Atmosphäre alles überlagerten.

Tarja & Marko – Nostalgie mit Klasse

Mit TARJA TURUNEN und MARKO HIETALA trafen am Abend zwei ehemalige NIGHTWISH-Mitglieder aufeinander, deren gemeinsame Vergangenheit bis heute einen besonderen Reiz ausübt.

Tarja überzeugte zunächst allein mit ihrem klassisch geschulten Gesang und einer starken Bühnenpräsenz. Zwar wirkte ihre Körpersprache stellenweise etwas steif, doch stimmlich bewegte sie sich erneut auf beeindruckendem Niveau.

Als Marko schließlich die Bühne betrat und gemeinsam mit Tarja NIGHTWISH-Klassiker wie „Wishmaster“ oder „Wish I Had An Angel“ performte, verwandelte sich das Konzert endgültig in eine nostalgische Zeitreise.

Das Publikum reagierte euphorisch. Gerade ältere Symphonic-Metal-Fans feierten jede gemeinsame Passage frenetisch.

HANABIE. bringen Anime-Chaos nach Wacken

Komplett anders präsentierten sich HANABIE., die mit ihrem wilden Mix aus Metalcore, Hardcore und J-Pop für eines der ungewöhnlichsten Konzerte des Tages sorgten.

Zwischen Zuckerpop-Refrains, aggressiven Breakdowns und hyperaktiver Bühnenperformance entwickelte sich ein kontrolliertes Chaos, das erstaunlich gut funktionierte.

Das Publikum reagierte zunächst irritiert, ließ sich jedoch schnell auf die Mischung aus Kawaii-Ästhetik und brutaler Härte ein. Vor der Bühne entstand einer der wildesten Moshpits des Tages.

SALTATIO MORTIS liefern die Show des Tages

Auch wenn bereits zahlreiche starke Auftritte den ersten offiziellen Festivaltag geprägt hatten, gehörte der Mittwoch am Ende doch eindeutig SALTATIO MORTIS, die mit ihrer gigantischen Inszenierung und enormen Bühnenenergie den emotionalen und atmosphärischen Höhepunkt des Tages markierten.

Die Mittelalter-Metal-Band feierte ihr 25-jähriges Bestehen mit einer gigantischen Headliner-Show, die eindrucksvoll bewies, warum die Gruppe mittlerweile zu den größten deutschen Festivalbands zählt.

Schon der Auftakt mit „Finsterwacht“ war spektakulär. Alea schwebte über der Bühne, Fackelträgerinnen marschierten durch den Regen, Pyrotechnik kämpfte gegen Wind und Wetter.

Im Verlauf der knapp zweistündigen Show wurde nahezu alles aufgefahren, was technisch und visuell möglich war: Gastmusiker, Feuerfontänen, Drachenboot-Aktionen, große Leinwandbilder und zahlreiche Überraschungen.

Besonders beeindruckend war jedoch die Energie der Band. Trotz des Dauerregens wirkte kein Moment routiniert oder abgearbeitet. SALTATIO MORTIS spielten mit einer Leidenschaft, als stünde ihre Karriere auf dem Spiel.

Songs wie „Rattenfänger“, „Heimdall“, „Spielmannsschwur“ oder die Coverversion von „Hypa Hypa“ verwandelten das komplett durchnässte Infield in ein riesiges Feierbiest.

Als zum Abschluss tausende Fans den „Spielmannsschwur“ mitsangen und die Stimmen noch lange nach Konzertende über das Gelände hallten, war endgültig klar: Der Mittwoch hatte bereits eines der absoluten Highlights des gesamten Festivals hervorgebracht.

Zwischen Schlamm und Wahnsinn

Abseits der Bühnen zeigte sich Wacken am Mittwoch bereits von seiner extremen Seite.

Die Wege wurden zunehmend schwieriger passierbar, zahlreiche Besucher kämpften mit stecken gebliebenen Fahrzeugen oder völlig durchnässten Camps. Gleichzeitig blieb die Stimmung erstaunlich positiv.

Überall wurde improvisiert, gelacht und geholfen. Fremde halfen einander beim Ziehen von Bollerwagen, beim Bergen festgefahrener Autos oder beim Transport von Bierkästen durch den Schlamm.

Gerade diese Solidarität ist ein entscheidender Teil der Wacken-DNA.

Der Mittwoch endete spät in der Nacht mit erschöpften, durchnässten, aber glücklichen Fans. Die Erkenntnis nach dem ersten offiziellen Festivaltag lautete eindeutig: Wacken 2025 würde kein bequemes Festival werden – aber vielleicht gerade deshalb ein besonderes.

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