Mittwoch, 02.08.2023
Den vollständigen Einlasstopp musste man erstmal verdauen. Es traf vor allem die Metalfans hart, die es bis in die Nähe von Wacken geschafft hatten, jetzt aber doch nicht aufs Gelände konnten. Über den Tag hinweg zeigte sich aber, wie unterschiedlich dieser Stopp durchgesetzt wurde. So hörte man immer wieder von einzelnen Gruppen, die es trotzdem geschafft hatten. Allerdings waren diese scheinbar die Ausnahme.
Die Polizei schätzte zu diesem Zeitpunkt die angereisten Fans auf rund 50.000. Zum Ende des Festivals zeigte sich dann, dass es wohl rund 60.000 Fans waren, die es schlussendlich auf das Gelände geschafft hatten. Für mehr als 20.000 Ticketbesitzer hieß es damit: Kein Wacken dieses Jahr. Zwar wurde schnell die Rückerstattung der Eintrittskarten verkündet, für viele war dies aber nur ein schwacher Trost.
Auch die Mitteilung der Veranstalter, dass viele Campgrounds nicht benutzt werden konnten, stieß zum Teil auf Unverständnis. Von weitem sahen viele der Wiesen trocken aus, von nahem glichen sie aber einer Seen-Landschaft, so hoch stand verzeinzelt das Wasser.
Auch der Einlass auf das Wackinger- und das Bullhead-Gelände wurde um mehrere Stunden nach hinten verschoben. Die Wacken Firefighters, die traditionell dort als erstes spielen, bauten kurzerhand nach nur einem Song wieder ab für die wenigen Anwesenden, die von Wheels Of Steel oder Residenz Evil Camping gekommen waren. Mehrere andere Bands, die dem verspäteten Einlass zum Opfer gefallen waren, wurden kurzerhand auf andere Slots gelegt.
Gegen 14:30 Uhr wurden die Tore zum Bullhead geöffnet und ermöglichten so den Zugang zu den anderen kleinen Bühnen und der Louder Stage. Dort wurde das Band-Programm für den Tag konsequent durchgezogen, auch wenn es durch die Umstände zu Kürzungen und weiteren Verspätungen kam. So kam es leider vor, dass Besucher lange auf ihre Band warten mussten oder sie gar verpassten, weil zu diesem Zeitpunkt keine Informationen verfügbar waren.
Auch die groß angekündigte Parade mit der Asche des verstorbenen Motörhead-Sängers Lemmy Kilmister konnte nicht wie geplant mittags stattfinden. Die drei Wagen, die die Parade zu seinen Ehren bildeten, fuhren nachmittags vom Dorf über das Gelände an der Louder Stage vorbei zum Landgasthof Wacken (LGH). Auf der Louder Stage wurden währenddessen Geschichten und Erlebnisse aus dem Leben des britischen Rockmusikers erzählt. Besonderes Highlight waren die Erlebnisse auf dem Holy Ground und wie sehr er sich mit diesem verbunden fühlte. Am LGH Wacken gibt es nun eine Gedenkstätte zu seinen Ehren.
Mit verkürzten Sets und stark verkürzten Umbaupausen wurde weiter die Louder Stage bespielt. Mit dabei waren unter anderem female-fronted Bands wie Ankor und Battle Beast. Die in Katalonien beheimateten Ankor lieferten eine solide Show ab und performten unter anderem ihren zuletzt erschienenen Song “Darkbeat” zum Besten.
Im Anschluss ging es bei den Finnen von Battle Beast nahezu heiß her. Die Band um Frontfrau Noora dominierte die Louder Stage und überrollte die Fans mit geballter Stimm- und Gitarren-Power bei Songs wie “Straight To The Heart”. “No More Hollywood Endings” und andere luden die Fans zum Mitsingen ein.
Den heiß ersehnten Abschluss des Tages an der Louder Stage bildete die deutsche Symphonic-Metal-Band Beyond The Black. Mit Songs wie “Lost in Forever”, “Heaven in Hell” oder “In the Shadows” begeisterte die Gruppe ihre oftmals in tiefem Matsch stehenden Zuhörer. Beim Song “Dancing in the Dark” betätigte sich Frontfrau Jennifer als Trommlerin, um das Publikum zum Singen zu animieren.
Auch die lang erwartete Öffnung des Infields mit den Bühnen Faster und Harder verzögerte sich während des Tages immer wieder. Um 18:00 Uhr war es dann soweit und der Run aufs Inflied begann. Flankiert wurden beide Einlässe von einem Wikinger-Schildwall.
Während auf dem Infield die ersten Fans auf ihre Bands warteten, wurde auf dem Gelände weiter gearbeitet, um es etwas trockener zu bekommen. In abgesperrten Bereichen wurde mit schwerem Gerät der Schlamm abgetragen und der Boden bearbeitet, zusätzlich wurden Hackschnitzel aufgebracht. Die vor Jahren eingezogene Drainage tat ihr möglichstes, dort wo sie verlegt war den Boden zumindest etwas zu trocknen.
Der verzögerten Öffnung der Faster-Stage fiel der Auftritt von Holy Moses zum Opfer. Dieser wurde dann nachts auf der W:E:T Stage nachgeholt – anstatt der Metal Disco.
Skindred, hatten mehr Glück und konnten – wenn auch mit Verspätung – die Doppelbühnen eröffnen. Die Waliser taten ihr Möglichstes, um das nasse und recht verschlammte Publikum bei guter Laune zu halten. Frontsänger Benji gelang das auch durchgehend, stand er doch selbst breit grinsend auf der Bühne.
Die Highlights des Metal-Wednesday waren aber die 40-Jahre-Jubiläumsshow der Metal-Queen Doro mit vielen Gästen wie Udo Dirkschneider, Mikkey Dee, Phil Campbell und Uli Jon Roth. Auch Doros Show stand ganz im Zeichen der verstorbenen Motörhead-Legende Lemmy Kilmister. So wurde sein Kopf von unzähligen Drohnen mit einer beeindruckenden Choreografie in den Himmel gemalt. Einfach bombastisch und unvergesslich.
