Wacken Open Air 2018
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Freddy, Hoya und Mitstreiter leben ihre Musik, was sie auf der Bühne abziehen ist keine einstudierte Show im Sinne des Entertainments. Sie unterhalten aber gerade deshalb extrem intensiv und interaktiv. Freddy Cricien ist ohnehin schon eine beeindruckende Erscheinung, wirbelt dazu wie angezündet kreuz und quer über und von der Bühne, schwitzt, röhrt und gewinnt wie kaum ein zweiter Frontmann im Zelt. Er bedankt sich mehrfach bei den Metalheads für ihr Interesse und wenn die Herren auch noch irgendwo Vinnie Stigma als Stargast aus der Hosentasche gezaubert hätten, wäre die Nummer mit „Start A Revolution“ vom Zelt aus vielleicht gar nicht mehr so illusorisch gewesen. MADBALL – wer nicht dabei war, darf sich schwarz und blau ärgern.

Im Zelt ist derweil Primetime für HELMET: Der etwas gealterte Page Hamilton und seine Kompagnons machen einiges richtig: Zum Einstieg und zum Ende gibt es „Meantime“ – zuerst „Unsung“ und zuletzt das Titelstück. Dazwischen gibt es ein Best-Of-Set, das schwerpunktmäßig etwa ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat.
Der charakteristische HELMET-Groove funktioniert jedenfalls auch 2018 auf einem Mainstream-Metal-Festival. Herr Hamilton hat Bock, bedankt sich mehrfach artig mit „schönen vielen Dank“ und ausreichend kleine Hits hat er ohnedies in petto. Auch diesseits der grandiosen Noise-Rock-Anfangsjahre können mindestens das erwähnte „Meantime“-Album, aber auch „Betty“ immer noch alles. „Wilma’s Rainbow zum Beispiel ist unkaputtbar. Und auch „Just Another Victim“ wird vom Publikum dankbar aufgenommen.

Der Begriff „Perfektion“ sollte natürlich nicht inflationär verwendet werden. Das, was HELLOWEEN als die „Pumpkins United“ jedoch am Abschlussabend zaubern, lässt nicht nur alten Hasen den Atem stocken. Wie kann ein gesamter Auftritt zumindest soundtechnisch nur so makellos sein?
Bei der Herbst-Tour munkelten wenige, da könne nur Playback im Spiel sein, doch dieser Gig wirkt dazu viel zu flüssig, spontan und spielfreudig. Die seltsamen Intermezzi sind schnell vergessen. In denen werden unter anderem witzlose Animationen der „Seth and Doc“-Kürbisse gezeigt, um der Band eine Atempause zu gönnen. Angefangen vom obligatorischen „Halloween“ und „Dr. Stein“ über „Keeper Of The Seven Keys“ bis zum Grande Finale mit „Future World“ und „I Want Out“. Für manchen der deutsche Gewinner des Wacken in diesem Jahr.

Viele haben schon nicht mehr an die Rückkehr einer Band geglaubt, die den Melodic Black Metal zum Weltklasse-Format werden ließ: DIMMU BORGIR waren vier Jahre wie vom Erdboden verschwunden. Davor hatten sie alles durch, was man als Band bewerkstelligen kann; inklusive opulentem Live-Album mit Orchester. Dass die Norweger diesem Wacken gefehlt haben, stellt sich kurz nach Mitternacht bei einem atmosphärisch gelungenen Gig heraus. Erstaunlich, dass die Synth-Passagen des neuen Albums gar nicht übermäßig auffallen. Bei aller Perfektion springt der Funke jedoch nicht völlig über. Das kann so kurz vor dem Abschiedsgruß der Veranstalter natürlich an den ausmergelnden drei Tagen zuvor liegen, vielleicht aber auch am Fokus, der auf den Songs der letzten beiden Alben liegt. Alle Achtung jedoch an Sound und Performance und ein mahnender Blick geht an jene, die sich sogar beim ewigen Melodic Black-Vorzeige-Song „Mourning Palace“ nicht mitreißen lassen.

An dieser zugegeben etwas späten Stelle sei schließlich nochmal auf die enorme Stil-Vielfalt hingewiesen, für die sich das Wacken nicht nur durch das Metal Battle auszeichnet. Jeder soll hier fündig werden, weshalb auch unbekannteren Acts eine große Chance gegeben wird. Modernere Spielarten wie Postcore, Screamo oder sogar Progressive Metal sind vielleicht weniger vertreten, aber gerade durch die industriell angelegte Wasteland Stage kann man allerhand Mystisches oder Grenzen auslotendes erleben.

See you in 2019 zum 30-jahrigen-Jubiläum. Rain or Shine!

 

BILDERGALERIE

 

Wir danken: Holger, Thomas und dem W:O:A-Team sowie allen, die unsere Arbeit vor, während und nach dem Festival unterstützt haben (you know who you are...)

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