Wacken Open Air 2017
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Freitag // 04.08.2017

Da der Schlamm doch mehr an den eigenen Kräften zehrt als angenommen, beginnt der dritte Festivaltag erst pünktlich mit dem Auftritt der Veteranen von GRAVE DIGGER. Die Altmeister des deutschen Heavy Metal liefern ein Set ab, dass vor allem mit Songs der Middle-Age-Trilogy gespickt ist und natürlich hat das Publikum sichtlich Freude daran, genau diese Songs zu hören. Zum Glück spielt auch der Sound nach anfänglichen Problemen, zumindest direkt vor der Bühne, wieder ziemlich gut mit und so ist spätestens bei den letzten vier Stücken „Excalibur“, „Morgan Le Fay“, „Rebellion (The Clans Are Marching)“ und „Heavy Metal Breakdown“ auch der letzte Fan vor der Bühne endlich wieder richtig wach.

Durch die Absage von Morbid Angel dürfen SONATA ARCTICA kurzerhand auf der Hauptbühne ran und dies stellt sich als beste Idee überhaupt heraus. Zum Intro „We Are What We Are“ kommen die Finnen dann auch wie das blühende Leben auf die Bühne. Die Spielfreude steht ihnen, von der ersten Sekunde an, förmlich ins Gesicht geschrieben und mit „Closer To An Animal“ legen sie dann auch sofort los. Wie immer, wenn SONATA ARCTICA auf dem W.O.A. spielen, verziehen sich die Wolken und ein paar Sonnenstrahlen kommen durch. Dies lässt die Fanmeute zu „The Wolves Die Young“ und „Full Moon“ richtig abfeiern. Tony Kakko strahlt über das ganze Gesicht, lacht viel und interagiert so viel wie möglich mit seinen Fans. Mitten in der Show hält er dann eine seiner Kurzreden, welche von einer Danksagung ans Wacken-Publikum zu einer spontanen Rede über den Sinn des Lebens ausartet. Das beste Zitat hieraus ist definitiv: „Fall in love with music every day!“. Die beiden Gitarristen nutzen jede Chance, um mit einem Grinsen im Gesicht ihre Soli und Bridges zum Besten zu geben. Vor allem bei „Paid In Full“ rocken beide richtig ab. Die Band schafft es, einen guten Mix aus gefühlvollen Balladen wie „Tallulah“ und fetzigen Reißern wie „Black Sheep“ oder „8th Commandment“ abzuliefern. Nach dem ernsthaften „Life“ gibt es mit dem Insider-Singspiel „Vodka“ und „Don’t Say A Word“ noch einen feurigen Rausschmeißer

Weiter geht es direkt nebenan auf der Headbanger Stage, auf welcher nun GRAND MAGUS richtig Druck machen wollen. Tatsächlich gelingt den drei Schweden dies auch von der ersten Minute an. Der Sound ist sehr gut abgemischt und die gewaltigen Riffs der Band kommen kraftvoll aus den Boxen gerollt. Das Publikum ist in jedem Fall begeistert und auch Frontmann Janne „JB“ Christoffersson scheint deutlich besser in Form zu sein, als man es in vergangenen Zeiten schon erlebt hat. Die gewohnte Mischung aus Epik und purer Kraft, welche fast allen Songs von GRAND MAGUS gemein ist, erfüllt jedenfalls das ganze Zelt und wie gut die Show der Schweden am Ende beim Publikum ankam, zeigt sich als die Fans beim Verlassen des Zeltes minutenlang den Chor von „Hammer Of The North“ weitersingen.

Nach einer kurzen Pause geht es bei Sonne und blauem Himmel auf der Louder Stage mit PARADISE LOST weiter. Die Briten haben, bis auf wenige Ausnahmen, hauptsächlich Stücke der frühen Schaffensphase von 1991 – 1997 im Gepäck und auch zwei Songs vom neuesten Werk „Medusa“ finden sich in der Setlist wieder. Die Band selbst wirkt, dank des strahlenden Sonnenscheins, lustigerweise völlig entspannt anstatt kühl und distanziert, wie man es eigentlich erwartet hätte. Ansonsten verläuft die Show aber eher unauffällig und irgendwie ist diese entspannte Atmosphäre auch genau das Richtige, an solch einem langen Wochenende voller Schlamm.

Bereits gegen 18:30 Uhr stehen alle Zeichen auf Emperor, dabei sind es zunächst TRIVIUM, die die Bühne betreten. Sänger Matt, welcher zusammen mit Ihsahn an einem BM-Soloalbum arbeitet, kommt natürlich mit Emperor-Shirt auf die Bühne. Der furiose Auftritt von TRIVIUM sprüht nur so vor Energie und bereits bei den ersten Takten von „Rain“ bewegen sie die Fans zum Moshen. Matts Brutalo-Gegrunze und seine unvergleichlich abwechslungsreiche Mimik, die schon zu vielen spaßigen Fotomontagen in den sozialen Netzwerken geführt hat, sind ebenfalls ein echtes Highlight. Der Sound ist erste Sahne, sodass man auch wenn man nicht auf Metalcore und Thrash-Geknüppel steht, das Bedürfnis hat, mal kurz die Matte kreisen zu lassen. Die Band schreddert und growlt sich durch eine Setlist voller Brachialstücke wie „Watch The World Burn“, „Strife“ oder „Built To Fall“, bevor sie in einem Pyro-Hagel und schweißgebadet die Bühne verlässt.

MEGADETH müssen liefern und in Anbetracht der Verfassung von Dave Mustaine ist ziemlich schnell klar, das wird nicht wirklich ein Highlight. Während des gesamten Auftritts liefern MEGADETH auf instrumentaler Ebene durchaus ab, jedoch kann Mustaine als Sänger absolut nicht mithalten. Das, was der Herr am Mikro macht, sollte leider nicht mehr als Gesang tituliert werden, so gequält kommt die Stimme zuweilen aus den Boxen. Eigentlich sehr schade, denn die Band hat natürlich einige starke Songs in der Setlist und auch die Bühnenshow kann durchaus überzeugen.

Leider wird es nach MEGADETH nicht besser in Sachen Qualität, denn MARILYN MANSON schießt den Vogel endgültig ab. Zunächst lässt der Maestro sein Publikum gut 15 Minuten warten, bis er endlich auf der Bühne erscheint und dann torkelt er mehr umher, als dass er sich zielorientiert auf der Bühne bewegt. Immer wieder wirft er sich seinen Musikern um den Hals und singt lediglich mehr oder weniger solide. Das Publikum quittiert dies in sehr großer Zahl bereits nach wenigen Songs mit dem Verlassen des Infields. Tatsächlich wird es inmitten des Auftritts wieder für einige Minuten ruhig, jedoch ist der Grund nicht mehr erkennbar, da auch wir uns entschlossen haben, abzuwandern.