Wacken Open Air 2017
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Donnerstag // 03.08.2017

Am Donnerstag soll es nun endlich so richtig losegehen, aber leider ist es vor allem der Himmel, der am frühen Nachmittag die Hauptrolle spielt und seine Schleusen öffnet. Ein gewaltiger Platzregen sorgt dafür, dass das W.O.A. nun endlich seinen Schlamm bekommt. Die angepriesene neue Drainage hat jedenfalls keine Chance gehabt, das Wasser auch nur in Ansätzen vernünftig abzuleiten. Nachbesserungen sind, mit Blick auf die Sicherheit des Publikums und vor allem auch mit Blick auf die vielen Besucher mit Schwerbehinderungen, dringend empfohlen.

Nach der obligatorischen Eröffnung durch SKYLINE und nachdem ROSS THE BOSS auf der Harder Stage mit ordentlich Feuer dem Publikum eingeheizt hat, durften EUROPE auf der Faster Stage ans Werk gehen. Bereits die ersten Minuten des Sets lassen darauf schließen, dass die Schweden heute richtig Lust haben und dass die Band mehr zu bieten hat als nur den finalen Countdown. Besonders Sänger Joey Tempest und Gitarrist John Norum haben ihren Spaß und sorgen dafür, dass das Publikum einen sehr guten Auftritt geboten bekommt. Klassiker wie „War Of Kings“, „Rock The Night“, „Scream Of Anger“ und eben „Final Countdown“ kommen sehr gut beim Publikum an und werden zum Teil lauthals mitgesungen. Die Spielzeit von einer Stunde vergeht leider schon fast zu schnell.

Nochmals ein ganzes Ende zurück in der Geschichte des Rock geht es anschließend mit STATUS QUO. Frances Rossi und seine Mitstreiter schöpften dabei den Fundus einer langen Bandgeschichte aus und obwohl es STATUS QUO eigentlich schon nicht mehr in elektronisch verstärkter Form geben sollte, haben alle Musiker sichtlich Spaß, doch wieder in klassische Rockgefilde zurückzukehren. Routiniert und durchaus agil bieten die Briten bis zum Schluss ihre Klassiker dar. Stücke wie „Caroline“, „Hold You Back“, „In The Army Now“ oder das obligatorische „Rockin‘ All Over The World“ machen eben einfach Spaß, egal ob man sowieso eher dem Classic Rock frönt oder doch ein waschechter Metalhead sein will.

Nun folgt aber endlich der mit Spannung erwartete Auftritt der Heavy-Metal-Instanz ACCEPT. Bereits im Vorfeld des W.O.A. 2017 wurde ja bekannt gegeben, dass es eine dreiteilige Show geben wird und genau dies sorgt sowohl während als auch nach dem Konzert für reichlich Gesprächsstoff. Die ersten Minuten des Auftritts sind genau das, was sich die Puristen wünschen. ACCEPT spielen fünf Songs, darunter unter anderem „Die By The Sword“, „Koolaid“ und „Restless And Wild“, ohne Orchester, ohne Schnick-Schnack und große Umschweife. Der folgende Teil, welcher allein Wolf Hoffmann und seinem Projekt „Headbangers Symphony“ gehört, verärgert überraschend viele Fans der Band, da ihrer Meinung nach, Gesang fehlt und sowas auf einem Festival einfach nicht geht. Objektiv betrachtet ist dieser Teil der Show, nicht zuletzt deshalb aber ein echtes Highlight, weil eben nicht einfach die Band vom Orchester begleitet wird, sondern weil klassische Stücke von einem Orchester aufgeführt werden und die Metalband gleichberechtigt Akzente setzt.

Der abschließende Teil der Show besteht dann aus einer Accept-Show begleitet vom Prager Sinfonie Orchester. Auch hier hagelt es im Publikum noch immer vereinzelt Kritik, weil die Gitarren vermeintlich zu leise abgemischt sind oder weil es langweilig ist, dass so viele Bands mit Orchester spielen und das Besondere an der Sache verloren geht. Wie auch immer man es halten mag, so ist auch hier keine objektive Schwäche festzustellen. Der Sound ist halt so abgemischt, dass das Orchester nicht untergeht und die Band noch genug Freiraum hat. Insgesamt ist die zweistündige Show eine fulminante Mischung aus Metal und Klassik und Songs wie „Princess Of The Dawn“, „Dying Breed“ oder „Metal Heart“ und „Balls To The Walls“ machen auch mit Orchester noch richtig Spaß.

Da der Donnerstag auf dem W.O.A. schon seit Jahren als „Night To Remember“ bekannt ist, verwundert es ein wenig, dass als nächste Band die Herren von VOLBEAT die Bühne entern dürfen. Traurigerweise beweist auch die Setlist sehr schnell einen ersten Verdacht, nämlich dass die Band sich mittlerweile meilenweit von den starken Songs entfernt hat, die die ersten Alben ausgezeichnet haben. Lediglich zwei Songs von den ersten zwei Alben, bei 20 Songs in der Setlist, dürften ein herber Schlag für Fans der ersten Stunde sein. So oder so wirkt bei VOLBEAT mittlerweile alles sehr vorhersehbar und so läuft der Auftritt eben einfach durch, ohne das wirklich viel hängen bleibt. Die großzügig gestaltete Bühne hilft da jedenfalls auch nicht viel weiter. Da trotzdem noch mehr als genug Zuschauer die Dänen abfeiern, schadet es also nicht, den Rückweg durch den Schlamm anzutreten, um das größte Gedränge zu vermeiden.

FAZIT TAG 1 und 2

Das Fazit nach den ersten zwei Tagen ist ganz klar zweigeteilt. Während einige der Bands wirklich mit Leidenschaft am Werk sind und zurecht gefeiert werden, gibt es auch Bands die ihrem Status nicht gerecht werden und in der Position als Headliner nicht wirklich liefern können. Das größte Manko nach zwei Tagen Festival ist aber der Zustand des Infields.