Wacken Open Air 2011
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Wann? 04.08. - 06.08.2011
Wo? Wacken - Festivalgelände

Donnerstag
FREI.WILD | HELLOWEEN | BLIND GUARDIAN | OZZY OSBOURNE

Freitag
ENSIFERUM | PRIMAL FEAR | SUICIDAL TENDENCIES | MORBID ANGEL | VAN CANTO | SODOM | AS I LAY DYING | TRIVIUM | MORGOTH | JUDAS PRIEST | TRIPTYKON | KYUSS LIVES! | SKINDRED | AIRBOURNE | APOCALYPTICA

Samstag
KATAKLYSM | THE HAUNTED | MAYHEM | ICED EARTH | SEPULTURA | AVANTASIA | KREATOR | DANKO JONES | MOTÖRHEAD | SUBWAY TO SALLY

INTRO

Genügten vor wenigen Jahren noch ein Fußballfeld, der Metalmarkt und eine Videoleinwand zur Belustigung, müssen jetzt ein großes Wrestlingzelt samt Bühne, ein Jägermeister-Hochsitz, eine Bühne für MAMBO KURT zusätzlich zur Biergartenbühne und ein gigantischer Mittelaltermarkt plus Bühne her, für den ironischerweise ein ganzes Waldstück gerodet wurde. Immerhin wird es nicht langweilig im Holy Wacken Land, denn wenn nicht gerade eine spannende Band spielt, gibt es Wrestling-Kämpfe, Striptease, Freakshows und mittelalterliches Treiben zu bewundern.

Und mal ehrlich: Wer keine Lust drauf hat, ignoriert die ganzen zusätzlichen Bespaßungsmaßnahmen einfach und widmet sich dem Wichtigsten: den Bands. Das Freizeitparkangebot sorgt für Platz auf dem Gelände, wodurch alles etwas stressfreier und wesentlich entspannter wird.

Es sind also alle versorgt und glücklich und das Wetter spielt auch einigermaßen mit: Tagsüber scheint die Sonne, nachts regnet es und kühlt angenehm ab. Nur am letzten Tag verjagt plötzlich einsetzender Platzregen die Metaljünger.

Im Jahre 2011 besticht das WOA mal wieder mit Headliner-Leckerbissen, die auf die Namen JUDAS PRIEST  (eines der letzten Konzerte - möglicherweise), OZZY OSBOURNE (mit Sicherheit keines der letzten Konzerte!!!), AIRBOURNE (noch sehr viele Konzerte) und AVANTASIA (erst mal das letzte Konzert) hören.


 

DONNERSTAG - 04. August 2011

Aufgeheitert von deutsch-türkischem Humor von Bülent Ceylan, heißt es nun 'Hoch hinaus' mit FREI.WILD! Zum dritten Jahr nacheinander haben es die Südtiroler nach Wacken geschafft. Um ihr mittlerweile zehnjähriges Bestehen zu feiern, werden die Jungs mit einem Auftritt auf der Black Stage reich beschenkt. Ein gelungener Auftakt für das Wacken Open Air 2011!

Ein absolutes Desaster soll heute HELLOWEEN zukommen. Voller Tatendrang brüllt Sänger Andi Deris "Are you Me..." und weg ist der Strom. Besser kann eine Show ja gar nicht anfangen. Professionell versucht man, den Fehler zu beheben. Doch auch beim zweiten Versuch des Openers 'Are You Metal' wird der Saft abgedreht. Noch nehmen die Hamburger Jungs es gelassen (Andi: "Ich hoffe das kommt nicht vom Atomausstieg."). Doch arge Soundprobleme lassen alle weiteren Songs wie aus einem Kofferradio klingen. Die Stimmung sinkt allgemein auf einen Tiefpunkt. Das krachende Medley bestehend aus 'Keeper of the Seven Keys', 'The King for a 1000 Years' und 'Halloween' sowie 'Dr. Stein' können die Launen zwar wieder etwas erhellen, jedoch fragt man sich zu Recht, warum man ein müdes Drumsolo zusammenbrettern muss und 'Future World' zu einem zehnminütigen Sing-Sang-Mitklatsch-Spielchen ausschlachten muss. Zu allerletzt lässt Andi auch noch Witzchen über Drummer Daniel ab ("Der
Wichser hört da hinten ja gar nichts..."). Muss so etwas wirklich sein, wenn man sowieso schon genug Zeit aufgrund technischer Probleme verloren hat? Trotzdem lässt 'I Want Out' zum Abschluss gehörig die Korken knallen und einen Kürbis umherwandern - wenigstens noch ein kleiner Leckerbissen. Fazit: Verlierer des Tages - HELLOWEEN. Welch ein Trauerspiel.

Zur bester Showtime um 20:30 Uhr betreten BLIND GUARDIAN die Black Stage und bieten den Heerscharen von Metalheads eine im wahrsten Sinne des Wortes "Night To Remember". Mit dem Opener 'Sacred Worlds', aber auch mit 'Tanelorn (Into The Void)' beweisen sie, dass sie "At The Edge Of Time" ohne weiteres live umsetzen können.
Einem Chor gleichend wird in den folgenden 90 Minuten mitgesungen, was die Stimmbänder hergeben, dazu bieten BLIND GUARDIAN ein Best Of ihres bisherigen Schaffens. 'Imaginations From The Other Side wird "als Belohnung für's Mitmachen" losgelassen, etwas "romantischer" wird es mit 'Lord Of The Rings'.  Sympathie-Träger Hansi Kürsch hat die Menge sofort in den Bann gezogen und bietet große Gesangskünste. Ganz groß sind auch 'Valhalla', das mit einem langen Interaktionspart zum Mitmachen animiert und große Gefühle gibt es mit 'The Bard's Song - In The Forest'.

Die immense Spannung über den Auftritt von OZZY OSBOURNE nimmt im Verlauf des Tages kontinuierlich zu, ist um 22:30 Uhr überall spürbar und entlädt sich schlagartig nach dem obligatorischen "Let the madness begin!" und den ersten Tönen zu 'I Don't Know'. Er kanns noch! Und noch viel mehr: Er ist besser drauf als in jüngster Vergangenheit gesehen! Auch wenn er seinen Mikrofonständer kaum loslässt und die Band sehr in den Vordergrund gemischt ist, wird Ozzy mächtig abgefeiert - zu recht! Seine Solostücke kommen genauo so gut an wie die vier BLACK SABBATH-Songs ('War Pigs', 'Rat Salad', 'Iron Man', 'Paranoid'). Der Ironman hat viel Spaß bei den Songs und bedankt sich oft beim Publikum. Mal verdreht er zu 'Mr. Crowley' seine Augen oder schüttet eimerweise Wasser in die schwitzende Menge, der Schaumwerfer trifft allerdings vor allem die Security. Die sehr lang gezogene und tolle Solo-Sektion des Gitarristen und Schlagzeugers zur Mitte des Sets ließen Ozzy Zeit und Raum zum Erholen. Mit 'Paranoid' wurde der ehrwürdige Auftritt abgerundet. Insgesamt gehen beide Daumen hoch!


FREITAG - 05. August 2011

Um 12 Uhr mittags haben sich zu ENSIFERUM mehr Fans vor der Black Stage eingefunden als erwartet. Metal-Fans sind eben hart im Nehmen. Der mitreißende Viking Metal gibt den Fans die ideale Gelegenheit, den Hangover einfach wegzubangen. Das ist auch nötig, denn die Crowdsurfer wollen bereits zu 'Twilight Tavern' getragen werden, die Security hat jede Menge zu tun. Die Finnen sind anscheinend nicht verkatert und heizen die Fans nach Kräften an. Diese singen ordentlich mit. ENSIFERUM schaffen es immer noch, sich mit jedem Auftritt zu steigern; ihr Weg führt weiter steil nach oben. Die Musiker flitzen über die Bühne und preisen das 'Stone Cold Metal' – "High Noon" lässt grüßen!

Den etwas undankbaren Posten des Freitags-Openers auf der Party-Stage müssen die Herren von PRIMAL FEAR übernehmen. Doch erfüllt die Truppe um Bandkopf Mat Sinner diese Aufgabe tadellos. Nach einem schier endlos langen Intro stampft das Quintett mit 'Sign Of Fear' und einer gehörigen Portion Motivation auf die Bühne, um die teils noch müden Gesichter vor der Stage mit ihrem schnörkellosen Power Metal zu wecken. Die Masse füllt sich mehr und mehr und wird derweil mit Perlen wie 'Chainbreaker' und 'Battalions Of Hate' unterhalten. Die Schwaben bieten ihren Fans mit 'Six Times Dead (16.6)', 'Seven Seals' und 'Final Embrace' derweil einen Auftritt, der beinahe jegliche Veröffentlichung aus dem Backkatalog abdeckt. Der mehr als passable Sound, die für diese Stunde vorbildliche Stimmung vor der Bühne, sowie die abschließende Hymne 'Metal Is Forever' runden diesen geglückten Auftritt ab.

SUICIDAL TENDENCIES haben heute definitiv den Exotenbonus, sie locken etliche Interessierte und Anhänger vor die Bühne, die vom Groove sofort gefangen genommen werden. Extrem tight und groovend zocken sich die Südkalifornier mit einem omnipräsentem Bass durch die folgenden 60 Minuten. Energieladen von Anfang bis Ende locken sie immer mehr Zuschauer in die Menge und zeigen, dass Thrash, Hardcore, Funk und Rap gut zusammen passen.

So ambivalent das neue Album "Illud Divinum Insanus" sein mag, so gespannt bin ich auf die Show der US-Deather MORBID ANGEL. Aber überrascht bin ich nicht, dass besagtes Werk mit nur einem Song bedacht wird. Passend kreist ein Flugzeug über das Festival mit einem 'I Am Morbid'-Banner. Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich die Menge zu einem großen Moshpit, Drummer Tim Yeung liefert einen Highspeed-Rekord nach dem anderen. MORBID ANGEL überzeugen mit einer energiegeladenen Show und einer starken Setlist.

Welchen Aufschwung die A-Capella-Truppe von VAN CANTO in den vergagngenen Jahren verbuchte, ist beachtlich, wodurch es nicht verwundert, dass die fünf Sänger samt Schlagzeug nun auf der Party Stage Platz nehmen. Der Platz vor der Bühne ist rappelvoll, als die stimmgewaltigen Herrschaften ihr Set mit 'Wishmaster', 'Rebellion' und 'Primo Victoria' einläuten. Doch parallel zu einer Größe wie MORBID ANGEL zu "kämpfen", erweist sich als schwierig, da man auch unmittelbar vor der Party Stage den Sound der Florida-Deather mitbekommt. Das frisch wirkende Sextett stört sich daran jedoch nicht und zieht ihr leider etwas uninspiriertes Programm weiter durch. Die Menge feiert dennoch, hat sichtlich ihren Spaß und grölt All-Time-Klassiker wie 'The Bard's Song', 'Master Of Puppets', 'Kings Of Metal' und 'Fear Of The Dark' lautstark mit. Den Fans hat es gefallen und das ist die Hauptsache.

Dass eine Thrash-Legende wie SODOM solch einen frühen und relativ kurzen Slot erhält, ist die eine Sache. Dass sie mit solch einem matschigen Sound, der sich um 15:45 Uhr auf der True Metal Stage bietet, gesegnet wird, jedoch eine andere. Dieses schwerwiegende Problem bietet sich Herrn Angelripper samt seinen Mannen leider ab dem ersten Ton des eröffnenden 'In War And Pieces'. Das Trio bemüht sich sichtlich, die Thrash-hungrige Meute mit Stücken wie 'The Vice Of Killing', 'Outbreak Of Evil', sowie dem unnachahmlichen 'The Saw Is The Law' zu bewegen, kann den Sound-Malus jedoch nicht ausgleichen. 'I Am The War', sowie 'M-16' gehen zwar tief ins Mark, 'Agent Orange' kann auch den einen oder anderen Nackenwirbel reizen und mit 'Blasphemer', sowie 'Bombenhagel' machen SODOM keine Gefangenen. Die massiven Soundprobleme, sowie der Wegfall DER SODOM-Hymne schlechthin, 'Ausgebombt', hinterlassen bei vielen Anwesenden einen faden Beigeschmack. Da ist man eindeutig Besseres von den Ruhrpottlern gewohnt. Sehr schade.

Weiter geht's mit Metalcore aus dem Amiland: AS I LAY DYING haben ihren Stil in den vergangen Jahren immer mehr zum Metal hin ausgerichtet – das kommt ihnen heute zu Gute, denn vor der Bühne stehen nicht nur Kids, sondern auch ein paar ältere Fans und sogar die Schlümpfe feiern weiter hinten eine kleine Party. Mit 'Within Destruction' starten sie rasant in ihren Gig und vor der Bühne bricht gleich der erste Moshpit aus.
Sänger Tim Lambesis flitzt über die Bühne und auch seine Bandkollegen heizen das Publikum an. Mit 'An Ocean Between Us' wird es besinnlich – das Highlight des Auftritts. AS I LAY DYING steigern sich kontinuierlich und immer mehr Zuschauer feiern mit. Die Amis überzeugen nach und nach auch das Metal-Lager und beweisen, dass ihr Erfolg nicht nur eine Momentaufnahme der Emobewegung ist, sondern dass sie auch Musik für Erwachsene machen können. Das Quintett bedankt sich immer wieder und fordert das Publikum auf, sich auch noch die folgenden befreundeten Bands TRIVIUM und HEAVEN SHALL BURN anzuschauen. Ein sympathischer Auftritt, bei dem AS I LAY DYING bestimmt viele Fans dazugewonnen haben.

Noch bevor TRIVIUM am frühen Abend die True Metal Stage betreten haben, ziehen sie mittels des trist-dramatischen Klavierintros 'Capsizing the Sea' das Publikum mit düsterer Harmonie in ihren Bann. Mit dem Titelsong des just an diesem Tag erschienenen Albums 'In Waves' geht es dann brachial los.
"Move your fucking ass!" – das lassen sich die Fans nicht zweimal sagen. Das Thrash/Death-Metal/Hardcore-Kollektiv aus Orlando/Florida geht sichtlich mit Spaß zu Werke, und das steckt an. Es folgen 'A Gunshot To The Head Of Trepidation' und 'Dusk Dismantled', bei dem die Band gesanglich lautstark vom Publikum unterstützt wird. Bei 'The Deceived' bilden sich die ersten Circlepits. Die Gitarrensoli sind klar, die Riffs brutal, die hymnischen Chorgesänge von Sänger Matthew und Bassist Paolo stimmig. Matt heizt dem Publikum – teils auf Deutsch – gutgelaunt ein. Den krönenden Abschluss bildet 'Throes Of Perdition' vom Album "Shogun", bei dem die Menge dem Befehl "fucking explode!" sofort nachkommt. Dieser Auftritt hat einfach Spaß gemacht. TRIVIUM, die mit ihrem neuen Album zeigen, wie vielseitig Metal sein kann, haben heute bewiesen, dass sie live überzeugen und mitreißen.

MORGOTH ist heute nicht mehr jedem ein Begriff, war Anfang der Neunziger aber der wohl wichtigste deutsche Death-Metal-Act, der auch international von sich reden machte. Aufgelöst 1998, hat die Band 20 Jahre nach dem Release der ersten LP "Cursed" (1991) für eine Reihe von Jubiläums-Auftritten wieder zusammengefunden. Außer Sänger Marc Grewe sind vom damaligen Line-Up Harald Busse (Gitarre) und Sebastian Swart (damals Bass, jetzt ebenfalls Gitarre) dabei. Bass und Drums sind neu besetzt. Geboten werden zu Songs der "Cursed" vor allem die der EPs "Resurrection Absurd" (1989) und "The Eternal Fall" (1990). Die vom Death Metal schon etwas entfernte "Odium" (1993) ist nur mit 'Resistance' und 'Under the Surface' vertreten, der Stilbruch "Feel Sorry For The Fanatic" (1996) überhaupt nicht. Fans der ersten Stunde kommen also voll auf ihre Kosten. Das gilt nicht nur für die Songauswahl mit Krachern wie 'Burnt Identity' oder 'Sold Baptism': Sound und Spielfertigkeit sind tadellos, das Tempo wird teils weit genauer gehalten als auf den EP-Studioaufnahmen. Da stört es dann auch kaum, dass das vor allem bei 'White Gallery' prägnante Keyboard fehlt. Das eher jüngere Publikum zeigt entsprechend positive Reaktionen. Marc Grewe sorgt nebenbei für Belustigung, als er bei einer Ansage rückwärts über einen Monitor fällt. Sei's drum, zu seinem Ausspruch "MORGOTH are back" kann man nur sagen: und wie!

Als die ersten Töne erklingen, der Banner niederfällt und die Briten mit 'Rapid Fire' zu ihrem mehr als zweistündigen Siegeszug ansetzen, merkt das Publikum, dass eine besondere Nacht und der in meinen Augen beste Headliner, den dieses Festival jemals sah, die Bühne entert. Niemand Geringeres als JUDAS PRIEST werden heute die Nostalgie und den Glanz der glorreichen Achtzigerjahre wieder beleben. Bereits zu Beginn wirkt "Metal God" Rob Halford stimmlich sehr gut in Form, obwohl er sich von den hohen Tönen fernhält. Trotzdem merkt man ihm sein Alter nicht an und auch der Rest der Mannschaft hat sichtlich Spaß und feuert Brecher wie 'Metal Gods', 'Heading Out To The Highway' oder das exzellente 'Judas Is Rising' in die beeindruckte Menge. Downing-Ersatz Faulkner wirkt zu keiner Sekunde fehl am Platz und präsentiert sich als gleichwertiger Ersatz.
Der Zauber, den Hits wie 'Starbreaker', 'Victim Of Changes' oder das sowohl balladesk, als auch rockig vorgetragene 'Diamonds & Rust' hervorrufen, ist greifbar und wird durch die Abbildungen entsprechender Coverartworks im Hintergrund nur verdeutlicht. Das Publikum kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie kurzweilig 42 Jahre purer Heavy-Metal sein kann. 'Nostradamus', 'Night Crawler', 'Turbo Lover' und 'The Green Manalishi' werden durch ein mystisches Bühnenlicht aus Lasern verzaubert und lassen jedem Anwesenden eine Gänsehaut aufkommen. Rob bedankt sich häufig und unterstreicht, welche Freude es für die Band ist, zum ersten Mal auf der Wacken-Bühne zu stehen. 'Breaking The Law' wird komplett vom Publikum gesungen, 'Painkiller' macht seinem Namen auch live alle Ehre und 'Electric Eye' hat in all den Jahren nichts von seinem Glanz verloren. Dass die Harley bei 'Hell Bent For Leather' nicht fehlen darf ist ebenso selbstverständlich, wie dieses glorreiche Set mit 'You’ve Got Another Thing Comin'' und 'Living After Midnight' zu beenden. Ein denkwürdiger Auftritt, bei dem die Briten ihren Legendenstatus mehr als gerecht werden.

Hinter TRIPTYKON verbirgt sich das neue Projekt des Ex-CELTIC FROST-Masterminds Tom Warriors, entsprechend finden sich viele CELTIC FROST-Songs in der Setlist wieder, aber auch ihre LP "Eparistera Daimones" wird berücksichtigt. Kühl, tonnenschwer, extrem zermürbend und groovend drückt die meterdicke Gitarren-, Bass- und Schlagzugwand gegen Mitternacht auf die anwesenden Jünger nieder. Immer mehr bleiben stehen, um das Spektakel aus der Nähe mitzuerleben. Ein mehr als würdiger Ersatz für CRADLE OF FILTH, die im Vorfeld abgesagt hatten.

Auf der Party Stage lässt John Garcia den Mythos auferstehen: KYUSS LIVES! verbreiten mit ihrem Stoner Rock Gänsehautatmosphäre – Licht- und Nebelshow tun ihr Übriges dazu. Garcia verliert während des gesamten Auftritts kein Wort an die Anhänger, doch er und seine Mitstreiter heizen die Fans trotzdem mit Gesten an. Scott Reeder ersetzt den kürzlich verhafteten Nick Oliveri am Bass bestens. Tief tönt die Musik aus den Boxen und die rhythmusbetonten Melodien legen sich wie ein großer Teppich über den Platz. Die starken Gitarrensoli kommen dank bestens abgemischten Sound perfekt rüber und setzen Akzente. Mission geglückt: Der Mythos lebt!

Als Geheimtipp werden die Waliser SKINDRED gehandelt. Ihre Mischung aus Reggae, Metal, Hip Hop und Punk lässt das Zelt der W.E.T. Stage beben. Von vorne bis hinten springen die Fans und bejubeln die Band. Der ist Partyfaktor hoch und das Quartett geht mächtig ab.

Die Senkrechtstarter AIRBOURNE versammeln eine gewaltige Menge Leute vor der True Metal Stage. Mit 'Raise The Flag' und 'Born To Kill' startet eine amtliche Rock'n'Roll-Sause, bei der vorne weniger geschubst und mehr getanzt wird. Die vier Musiker feiern wie immer eine große Party auf der Bühne und weil Rampensau Joel O’Keeffe sich schlecht zu jedem einzelnen Becks-Bierstand tragen lassen kann, um dort ein Gitarrensolo zu spielen, klettert er einfach das Gerüst bis oben hoch. Die Fans jubeln jetzt noch mehr und feuern die Band weiter an. Mit 'Bottom Of The Well' bringen sie das vorläufige Highlight des Auftrittes, um anschließend mit 'Cheap Wine & Cheaper Women' und 'Girls In Black' das "schönere Geschlecht" zu besingen, das ausnahmsweise mal zahlreich vertreten ist. Spätestens bei 'Too Much, Too Young, Too Fast' singt auch der Letzte mit und mit 'Stand Up For Rock'n'Roll' erreicht die Feier den Zenit. Die Australier legen einen wie immer starken und anstachelnden Auftritt hin, bei dem sie eine gute Mischung ihrer beiden bisherigen Alben spielen.

Der erste lange Tag nähert sich dem Ende: Was mit ENSIFERUM zur Mittagsstunde begann, endet mit APOCALYPTICA um 2 Uhr morgens. Die Lichtshow ist mal wieder beeindruckend, lässt sie die drei Cellisten und den Schlagzeuger doch nur für wenige Sekunden erscheinen. Die Finnen geben viele METALLICA-Cover zum Besten – schließlich sind sie damit einst berühmt geworden. Die Band wirkt ausgeschlafen und bestens gelaunt und zieht das Publikum das ganze Konzert über in ihren Bann. Diese werden jedoch langsam müde und verlassen nach und nach während des Auftrittes das Festivalgelände. Schade! APOCALYPTICA muss man einfach früher auf die Bühne lassen.


SAMSTAG - 06. August 2011

Die verrückten Death Metaller aus Kanada, KATAKLYSM, locken viele Metalheads vor die Bühne. Mit 'As I Slither' fordert Maurizio zum "Security-Stresstest" auf, denn die Herren würden ja entsprechend geschult und bezahlt werden.
Was folgt, dürfte wohl der Crowdsurf-Rekord des Festivals gewesen sein. Wahnsinn! Auch 'Illuminati' knallt erwartungsgemäß derbe, 'Shadows And Dust' und 'Crippled And Broken' locken alle Reserven aus den Fans.

Die Schweden THE HAUNTED haben es sich zum Ziel gemacht, die letzten müden Besucher aufzuwecken, und probieren das gleich mal mit dem Opener 'Never Better' ihres aktuellen Albums "Unseen". Heute greifen die Jungs aber hauptsächlich auf älteres Material zurück und spielen an neuen Stücken nur noch 'Unseen' und 'No Ghost'. Sänger Peter Dolving macht zwischen den Liedern immer wieder ein paar Witze. Zum Beispiel behauptet er, die Veranstalter hätten eine Kleiderordnung eingeführt und jeder mit einem schwarzen Shirt müsse dieses am Einlass gegen ein fliederfarbenes eintauschen. THE HAUNTED legen sich mächtig ins Zeug und stecken damit auch ihre Fans an, die headbangen, die Hände in die Luft recken und ein bisschen Frühsport betreiben. Mit 'Bury Your Dead' verabschiedet sich das Quintett.

MAYHEM stehen heute auf der Black Stage erstmals mit Attila Csihar am Mikro, der die legendäre "De Mysteriis Dom Sathanas" (1994) einsang. Black Metal am helligten Nachmittag auf einer Festivalbühne weckt selten große Erwartungen. Der erste WOA-Gig 1999 blieb vor allem durch knallende Sonne, Unmengen an Staub und miesen Sound in Erinnerung. 2004 konnte man dann immerhin ab und zu erkennen, was gespielt wird. MAYHEM können nun beim dritten Anlauf aber endlich überzeugen, zumal sich der Himmel plötzlich respektvoll verdunkelt. Mit 'Pagan Fears', 'Freezing Moon' (bei dem das müde wirkende Publikum etwas in Fahrt kommt), 'Buried By Time And Dust', 'Cursed In Eternity' und dem Titeltrack werden fünf Songs der "Mysteriis..." gespielt, und das in mehr als ordentlicher Qualität. Attila singt streckenweise besser als auf dem Album, auf dem einige Sequenzen doch arg schräg gerieten. Im Vergleich zu Maniac (Frontman bis 2004) ist von ihm kaum Stageacting zu sehen, dieses ist bei echtem Black Metal aber auch unnötig. Ergänzend gibt es einige neuere Tracks wie 'Illuminate Eliminateund' und A Time to Die'. Nicht fehlen dürfen natürlich die Klassiker 'Silvester Anfang' und 'Deathcrush'.

Im Vorfeld war klar, dass den Amis von ICED EARTH ein wohl sehr emotionaler Auftritt gutgeschrieben werden kann. Für deutsche Fans ist die folgende Stunde die letzte Gelegenheit, Ausnahmesänger Matt Barlow im Kreise seiner Musikerfreunde zu sehen. Mit '1776', 'Burning Times', 'Declaration Day' und 'I Died For You' ist die Setliste der Power-Metaller um Bandchef Jon Schaffer mit Klassikern bespickt, die von der mehr als gut repräsentierten Fanschar dankbar angenommen wird. Barlow treibt das bunte Abschiedstreiben weiter mit 'Jack', 'The Hunter' und der "Something Wicked"-Trilogie an, ehe es am Ende äußerst gefühlsbetont wird.
Als Jon seinem besten Freund für die wundervolle Zeit dankt, müssen auch einige im Publikum schlucken. Spätestens nachdem der den Tränen nahe Barlow mit lautstarken Sprechchören verabschiedet wird und sich bei allen Anwesenden bedankt, stellt sich eine dicke Gänsehaut auf. Diese wird zwar durch das abschließende 'Iced Earth' etwas beruhigt, dennoch hätte beispielsweise das sträflich vermisste 'Melancholy (Holy Martyr)' dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Sei’s drum, dieser Auftritt gehörte voll und ganz dem Rotschopf.

Bei SEPULTURA sorgt das Line-Up immer wieder für Gesprächsstoff. Bereits 1997 ging Frontman Max Cavalera, 2006 mit Igor Cavalera dann auch das zweite Gründungsmitglied. Das neuere Material geht zudem in eine deutlich andere Richtung als die Alben, die die Band zu einer Thrash-Ikone gemacht haben. Befürchtungen, dass an diesem Abend alte Fans gänzlich zu kurz kommen könnten, werden aber schnell zerstreut. Nach dem Live-Intro donnert 'Arise' der Menge mit einer Gewalt um die Ohren, dass es nur so eine Freude ist. Dabei ist der Sound weit besser, als es die veröffentlichen Videoaufnahmen vermuten lassen. Sänger Derrick Green geht mit enormer Energie zu Werke, aber auch die anderen Musiker wirken nicht gerade lethargisch. Die Stimmung springt sofort auf die Menge über, die zu alten Songs wie 'Inner Self' oder 'Troops of Doom' genauso feiert wie zu den neueren Titeln. Der Platz vor der Bühne gleicht über weite Strecken einem Hexenkessel. Vom neuen Album "Kairos" wird außer dem Titelsong nur 'Relentless' und 'Just One Fix' gespielt, so dass Zeit ist für einen Überblick über alle Schaffensperioden der Band. Mit jeweils einem Song sind "Dante XXI" ('Convicted in Life'), "Against" ('Choke') und "A-Lex" ('What I Do!') vertreten, "Chaos A.D." mit zwei ('Refuse/Resist', 'Territory'). 'Ratamahatta' und 'Roots Bloody Roots' beschließen den einstündigen Gig, der mit seiner Wucht durchaus beeindruckt hat.

Die Metal-Oper AVANTASIA um EDGUY-Fronter Tobias Sammet bestreitet in Wacken ihren vorerst letzten Auftritt. Ob es ein Wiedersehen geben wird, ist ungewiss, die Zuschauer vor der Bühne daher umso zahlreicher. Zu 'Twisted Mind' kommt Sammet auf die Bühne, doch lange bleiben er und seine Musiker nicht allein: Jorn Lande von MASTERPLAN kommt für 'The Scarecrow', den Titeltrack des dritten Albums, und 'Promised Land' hinzu und unterstützt Tobi und die schöne Amanda Somerville am Gesang. Die gesamte Combo ist gut aufgelegt, lächelt immer wieder in die Kamera und beackert die gesamte Bühne und die kleine Brücke hinter dem Schlagzeug. So sind alle Akteure bestens zu sehen und können von überall rocken und die Fans anstacheln. Zu 'The Story Ain't Over' ersetzt Bob Catley (MAGNUM) Jorn Lande, bei  'Reach Out For The Light' und 'Dying For An Angel' übernimmt Michael Kiske(ex-HELLOWEEN) den Part des zweiten Sängers. Zu 'Death Is Just A Feeling' schwingt GAMMA RAY-Sänger Kai Hansen das Mikro. Alle Gastsänger sind in bester Stimmung und posen wie die Weltmeister mit Sammet und den übrigen Musikern auf der Bühne.

Zur besten Zeit und mit einem drückend kräftigen Sound ausgestattet starten KREATOR auf einer blutrot beleuchteten Black Stage pünktlich um 21:45 Uhr ihr einstündiges Feuerwerk mit dem Doppelschlag 'Hordes Of Chaos' und 'Warcurse'. "Kreator has returned" schallt es in die Menge, ehe das Quartett mit 'Endless Pain', 'Pleasure To Kill' und dem Statement 'Destroy What Destroys You' zum Nackenmuskel-Overkill ausholt. Nach dem grandiosen 'Voices Of The Dead', erkundigt sich Mille, welche Nationen im Wacken-Publikum vertreten sind, und kündigt wenig später zu Freuden aller Anwesenden, für 2012 ein neues KREATOR-Album an. Diese mehr als guten Neuigkeiten werden durch den Headbanger 'Enemy Of God', sowie 'Phobia' mehr als gebührend unterstützt. Die Jungs zeigen sich in einer exzellenten Verfassung und beenden ihren gewohnt guten Auftritt mit dem obligatorischen 'Flag Of Hate', sowie mit 'Tormentor', bei dem der Menge abschließend noch mal alles abverlangt wird.

"Fuck, KREATOR is fucking loud!" - am späten Abend hat der Kanadier DANKO JONES die ehrenvolle Aufgabe, gegen die parallel auf der True Metal Stage spielenden KREATOR anzurocken, und dies gelingt ihm außerordentlich gut. Danko und eine ganze Reihe treuer Fans sorgen dafür, dass dieser Auftritt laut und dreckig wird. Mit dem Opener 'The Rules' beweist er dann auch gleich, was wahrer Rock’n'Roll ist. Kracher wie 'First Date', 'Cadillac', 'Bad Thoughts' und 'Had Enough' dürfen nicht fehlen und werden laut vom Publikum mitgegrölt.

Zum sechsten Mal seit 1997 spielen Lemmy und seine Manner von MOTÖRHEAD heute auf dem WOA. Einmal mehr beginnt der Auftritt mit 'Iron Fist' und beinhaltet in erster Linie bekannte Hits wie 'Metropolis', 'Rock Out', 'Ace of Spades', 'Overkill' oder 'Just 'Cos You Got the Power'. Vom aktuellen Album "The Wörld Is Yours" gibt es nur 'Get Back In Line' und 'I Know How To Die' zu hören. Leider ist der Ton ein wenig leise, dafür sorgt der 'Bomber'-Bühnenaufbau gegen Ende für eine ausgiebigige Lightshow. Lemmy röhrt wie gewohnt und weicht vom üblichen Ablauf nur ab, als er sich dafür entschuldigt, dass die Fans im langsam einsetzenden Regen stehen müssen. Alle Songs werden routiniert gespielt, aber es gibt keine Überraschungen. MOTÖRHEAD sind aber auch ohne Überraschungen mit ihren soliden Auftritten immer wieder sehenswert.

Zum Abschluss des Festivals gibt es die besten SUBWAY TO SALLY Partyhits und einem Vorgeschmack auf die im September erscheinende neue Platte "Schwarz in Schwarz": 'Schwarzes Meer' wird man bald genauso textsicher mitsingen können wie 'Kleid aus Rosen' oder 'Henkersbraut'; daran hat Eric Fish überhaupt keine Zweifel.
 Und damit ist schon wieder ein Wacken Open Air zu Ende und wieder gleicht ein Festivalgelände einer Schlammlandschaft. In diesem Sinne: See you next year, Metalheads! Rain or Shine! 

OUTRO

Unser Dank geht an das gesamte WACKEN OPEN AIR-Team für drei tolle Festival-Tage mit jeder Menge lauter Musik, guter Laune und einer einzigartigen Atmosphäre.

SEE YOU IN 2012 - RAIN OR SHINE!