Wacken Open Air 2007
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Wann? 02.08. - 04.08.2007
Wo?
Wacken - Festivalgelände

Donnerstag, 02. August 2007

BLITZKRIEG | ROSE TATTOO | SODOM & Guests | ALL THAT REMAINS | LETZTE INSTANZ | HATESPHERE | SAXON |
ELECTRIC EEL SHOCK | OVERKILL

Freitag, 03. August 2007

SUIDAKRA | NAPALM DEATH | AMORPHIS | THERION | VOLBEAT | GRAVE DIGGER | BLIND GUARDIAN | ICED EARTH | SAMAEL

Samstag, 04. August 2007

SACRED REICH | HEAVEN SHALL BURN | STRATOVARIUS | DESTRUCTION & Guests | TYPE O NEGATIVE | IMMORTAL | STORMWARRIOR featuring Kai Hansen | IN FLAMES

WACKEN - WEINE NICHT, WENN DER REGEN FÄLLT

INTRO

WACKEN - Blasting the North in August - das sagt eigentlich schon alles: Weitere Worte sind eigentlich überflüssig! Nur soviel: Dafür, dass es dieses Jahr vor dem Festival mehr als reichlich geregnet hatte und ziemlich voll auf dem Gelände war, war die Security durchgängig hilfsbereich und freundlich und erledigte ihren nicht immer einfachen Job anständig.
Apropos Regen: 350 Liter Wasser pro Quadratmeter machen den Aufbau zum diesjährigen "Wacken Open Air" zu einer schwierigen Sache. Hut ab vor den Organisatoren, wie sie es trotzdem schaffen, alles im Zeitplan aufzubauen, und durch eine Vielzahl von Maßnahmen das Festival davor retten, komplett ins Wasser zu fallen. Dass dabei trotzdem nicht alles perfekt läuft, soll natürlich nicht verschwiegen werden.
So ist es auf einigen Plätzen nicht möglich, wie gewohnt neben dem Auto zu zelten, viele Wiesen sind wegen dem starken Regen einfach nicht befahrbar. Dadurch kommt es in der Folge zu ewigen Wartezeiten, um überhaupt auf das Gelände zu kommen. Auf der Autobahn staut sich der Verkehr zwischenzeitlich bis auf über 20 km an, Wartezeiten von über zehn Stunden sind keine Seltenheit. Aber auch in diesem Jahr klappte die Information der Fans über Video-Leinwände perfekt, so dass man dem Veranstalter eine rundum gelungene Organisation bescheinigen kann.

Donnerstag, 02.08.2007

BLITZKRIEG (Black Stage)
Das diesjährige "Wacken Open Air" dürfen die alten Hasen von BLITZKRIEG eröffnen und sie tun es vor einer recht ansehlichen Zuschauermenge. So legen sie sich ordentlich ins Zeug und gaben unter anderem "Unholy Trinity", "Theatre Of The Damned" und  das von METALLICA gecoverte "Blitzkrieg" zum Besten.
Ein würdiger Opener fürs W:O:A 2007.

ROSE TATTOO (Black Stage)
Weiter gehts mit Hard Rock aus "Down Under" - ROSE TATTOO Auch nach dem Tod von Gitarrist und Bandgründer Pete Wells, der im letzten Jahr leider den Kampf gegen seine Krebserkrankung verloren hat, geben die fünf Jungs aus der ehemaligen Strälingskolonie weiter Vollgas. So hat man Anfang des Jahres ein neues Album veröffentlicht, von dem auch einige Stücke, wie der Titelsong "Blood Brothers", ihren Weg ins Bühnenprogramm gefunden haben.
Insgesamt geben sich ROSE TATTOO entspannt und verbreiten viel gute Laune. Zwar sind Angry Andersons Ansagen ausgesprochen abgedroschen und gehen in ihrer Klischeehaftigkeit meist ein wenig am Publikum vorbei, musikalisch brauchen sich die Jungs jedoch nichts vorwerfen zu lassen. Routiniert schüttelt man sich ein schickes Boogie-Riff nach dem anderen aus dem Ärmel und wirkt dabei dennoch zu keiner Sekunde gelangweilt oder unglaubwürdig. Die Publikumsreaktionen sind zunächst verhalten, mit fortschreitender Auftrittsdauer steigt jedoch auch die Feierlaune unter den Fans, so dass am Ende mehr als nur Höflichkeitsapplaus den Abgang der Australier begleitet.

SODOM & Guests (Black Stage)
Für Tom Angelripper ist das W:O:A ja mittlerweile sowas wie ein zweites Zuhause geworden. Entweder als Onkel Tom oder mit den Mannen von SODOM.
Für dieses Jahr hat man sich aber was besonders nettes einfallen lassen: So teilt sich Tom die Bretter, die die Welt bedeuten, mit Gästen wie Frank Blackfire, Micha Hoffmann, Andy Brings und Drumtier Atomic Steiff. Diese unterschiedlichen Line-Ups performen eine Zeitreise durch 25 Jahre SODOM bestehend aus Klassikern der Marke "Blasphemer", "Christ Passion", "Magic Dragon", "Sodomy & Lust" oder dem unvermeidlichen "Ausgebombt". Eine feine Idee, die sich wohltuend von den üblichen SODOM-Shows abhebt und vom Mob entsprechend gefeiert wird.

ALL THAT REMAINS (Hellfest Stage)
Auch die Amis ALL THAT REMAINS freuen sich über ihren ersten Auftritt auf dem W:O:A und könnten theoretisch auch überzeugen, nur leider spielt der Sound nicht mit: Der erste Song kommt viel zu leise aus den Boxen und leider wird's nicht besser als der Soundmann beschließt, den Lautstärke-Regler hochzuschieben, denn irgendwie klingt das alles ein bisschen matschig. Hinzu kommt, dass der Sänger in der einen oder anderen Passage etwas dünn klingt, so dass trotz der technischen Versiertheit der Musiker und einer coolen, ausgewogenen Setlist nach dem erstklassigen Schlusssong "This Calling" bei den meisten Fans gemischte Gefühle bleiben.

LETZTE INSTANZ (W.E.T. Stage)
Mit einem theatralischen Intro betritt die LETZTE INSTANZ die Bühne, Sänger Holly mit seinem breiten, schelmischen Grinsen im Gesicht. Gestartet wird mit "Du Und Ich", dem Opener ihres aktuellen Albums "Wir Sind Gold". Die selbsternannten Folk-Goth-Rocker müssen ihr Publikum nicht lange bitten, der Funke springt von der ersten Note an über. Songs wie "Unerreicht", "Ohne Dich" und "Tanz" werden von dem restlos begeisterten Publikum sehr textsicher wiedergegeben.
Mit dem Song "Mein Todestag" dürfte die Band nicht nur ihre langjährigen Fans ansprechen, das Lied zählt zwar zu den ältesten, aber auch bekanntesten LETZTE INSTANZ–Werken. Anschließend erzielen die Dresdner einen richtigen Überraschungseffekt, als sie den zuletzt gespielten Song "Rapunzel" in den Endsiebziger KISS-Hit "I Was Made For Loving You" verwandeln.

HATESPHERE (Hellfest Stage)
Kaum haben Jacob Bredahl und seine HATESPHERE-Mannen die Bühne erklommen, wird klar: Ein Höhepunkt des diesjährigen W:O:A steht gerade auf der "Hellfest Stage". Der glasklare, wuchtige Sound sorgt dafür, dass Brecher wie "The Sickness Within" doppelt so drückend wie aus der Konserve auf den Hörer einschallen und die Band spielt einwandfrei, allen voran Frontdäne Bredahl. Dieser ist zwar leicht angetrunken, aber umso sympathischer sind die Ansagen und beim Singen ist der Mann so oder so eine Wucht. Ein gelungener Auftritt!

SAXON (Black Stage)
Mit zahlreichen Pyro-Effekten und Video-Einspielungen ergänzen die Briten die ohnehin schon bis zum äußersten ausgereizte Lichtanlage und haben natürlich auch den obligatorischen stählernen Adler unters Bühnendach geschnallt, der im Showverlauf gleich mehrmals zur Landung ansetzt, um Strahlen grellen Lichtes über die Köpfe des Publikums hinwegzuschicken. Natürlich kennt man die vielen alten Hits der Band bereits und hat sie womöglich schon desöfteren live bewundern können, aber gerade deswegen möchte man Songs wie "Denim And Leather", "Heavy Metal Thunder", "Witchfinder General" oder "Crusader" nicht missen.
Auch das aktuelle "Inner Sanctum"-Album wird mit einigen Stücken gewürdigt, unter denen besonders das atmosphärisch starke "Red Star Falling" und das deutlich straightere "If I Was You" direkt ins Schwarze treffen. "Let Me Feel Your Power" wird spontan dem Wackener Publikum gewidmet, das auch bei den eigentlich völlig überflüssigen Mitsing-Spielchen eifrig mitspielt.
Absolutes Highlight des Gigs ist hingegen der Steinzeit-Klassiker "747 (Strangers In The Night)". Diesen gibt Sänger Biff Byford nämlich nicht alleine zum Besten, sondern er hat sich die Unterstützung von Tobias Sammet.

ELECTRIC EEL SHOCK (W.E.T. Stage)
Leider geht viel Zeit der durchgeknallten Japaner durch einen ewigen Soundcheck verloren, aber als ELECTRIC EEL SHOCK endlich loslegen, entschädigen sie für das lange Warten. Gewohnt extrem wird mit ihrem Mix aus Rock, Metal und Punk rumgetobt als gäbe es kein Morgen.
Nackig macht sich der Drummer diesmal nicht ganz - nur das Shirt, was wohl daran liegt, dass es nicht Tomoharu "Gian" Ito ist, sondern ein Sessiondrummer der ihn vertritt. Akihito Morimoto gibt alles und greift zwischendurch immer mal an seinen am Gürtel befestigten Talisman - einen Plüschelefant. Zum Schluss stürzt sich ein Fan im Kostüm mit rotem Schlauchboot in die Menge.Klasse, wenn auch zu kurz!

OVERKILL (Hellfest Stage)
Mit "Rotten To The Core", "Elimination" und einigen anderen Hits aus der frühen Schaffensphase entfachen die Herren um Fronter Bobby blitz ziemlich gute Stimmung bei dem in nicht geringer Zahl anwesenden Publikum, während bei den "neueren" Stücken die Reaktionen des Publikums etwas verhaltener sind. OVERKILL zeigen sich spielerisch von ihrer besten Seite und können auf der ganzen Linie überzeugen.


Freitag, 03.08.2007

SUIDAKRA (Black Stage)
SUIDAKRA legen eine prima Show hin, in der ein seltsam anmutender Dudelsackspieler mit an Bord ist. Mit ihrem neuen Stil, in dem Folk maßgeblich ist, haben sie jetzt wohl ihren Stil gefunden und der klingt nicht schlecht. Eigenwerbung wird insofern betrieben, dass die gesamte Band (mit Ausnahme des Dudelsackmannes) Shirts ihres neuen Albums "Caledonia" trägt. Zum Schluss wird der Band allerdings der Strom abgestellt, aber das ist nicht tragisch, denn sie sind eh grade bei den obligatorischen Danksagungen angelangt.

Eigentlich sollten jetzt AMORPHIS auf dem Programm stehen, doch plötzlich wehen dicke Rauchschwaden über den Bereich vor der "True Metal Stage" hinweg. Nein, kein Spezialeffekt mit dem die Finnen das geniale "The Smoke" in Szene setzen wollen, sondern ein beachtliches Strohfeuer. Irgendjemandem ist es offensichtlich nicht gelungen, seine brennende Zigarette zu löschen, bevor er sie in das trockene Stroh fallen ließ, das wegen des matschigen Untergrundes auf dem ganzen Gelände ausgestreut wurde und zu dieser frühen Stunde noch vollkommen trocken ist.
Schaulustige und AMORPHIS-Fans machen Platz für die Feuerwehr. Diese ist dann zügig zur Stelle, braucht aber einige Zeit, bis sie das glimmende Stroh komplett gelöscht habt.

NAPALM DEATH (Black Stage)
Dass die Jungs von NAPALM DEATH nach dem Brand vor der "True Metal Stage" verfrüht auf die Bühne müssen, führt leider dazu, dass viele, die erst zum eigentlichen Beginn kommen, nur noch den Schluss einer intensiven und durch und durch guten Show mitkriegen. Trotzdem hat sich eine ansehnliche Fan-Schar vor der "Black Stage" versammelt, als die Grindcore-Legende mit "Sink Fast Let Go" vom aktuellen Album "Smear Campaign" loslegen. Der Sound ist gut, die Setlist erstreckt sich über ganz altes "Scum"-Material bis hin zu den Songs der letzten Alben und Sänger Mark "Barney" Greenway geht mächtig ab.
Das sehen die Anwesenden genauso, feiern die Briten kräftig ab und sorgen für einen frühen ersten Circle-Pit vor der Bühne.

AMORPHIS (True Metal Stage)
Der Hauptteil des sehr gelungen Sets, setzt sich aus Songs des aktuellen Albums "Eclipse" zusammen. Von dem stammen dann auch prompt die ersten drei Songs. Danach starten die Finnen eine Zeitreise, angefangen von "Against Widows", über "In The Beginning" bis hin zu den frühen Tagen ("Sign From The Northside" vom Debüt).
Die Jungs aus dem land der tausend Seeen zeigen über die gesamte Show hinweg eine engagierte und motivierte Leistung, vor allem Neu-Sänger Tomi Joutsen fühlt sich in seiner Rolle sichtlich wohl und kann in den Kategorien "Beweglichkeit" und "Agilität" gegenüber seinem Vorgänger punkten. Der bessere Sänger ist er zudem auch. Das zeigt sich beim anspruchsvollen Wechsel zwischen klar gesungenen Parts und den Growls. Dass er diese auch gut beherrscht, demonstriert er zweifelsfrei bei den älteren Songs.
Überraschungen in der Setlist gibt es leider keine und so beeenden AMPORHIS mit "Black Winter Day" ihren Set.

THERION (True Metal Stage)
Bereits der monströse Opener "Rise Of Sodom And Gomorrah" zeigt, dass die Kompositionen dadurch nicht im Geringsten an Faszination verlieren, sondern sogar erheblich von der spontaneren Note profitieren.
Die Instrumentalfraktion ist mit den technisch brillianten Niemann-Jungs, Petter Karlsson und natürlich Christofer Johnsson hervorragend besetzt. Letzterer hat mittlerweile die Growls komplett an den Snowy Shaw abgegeben, über dessen starke Stimme und charismatische Bühnenpräsenz man eigentlich längst keine Worte mehr verlieren muss. Mit Katarina Lilja und der ehemaligen AESMA DAEVA-Sängerin Lori Lewis hat man endlich zwei Sängerinnen gefunden, die nicht nur die reinen Opern-Passagen treffsicher intonieren können, sondern zwischendurch auch mühelos in einen rockigeren Gesangsstil umschalten können.
Das Sänger-Quartett wird durch Thomas Vikström (MEHIDA, ex-CANDLEMASS) komplettiert. Das stimmungsvolle Bühnenbild kennt man schon von der "Gothic Kabbalah"-Tour und tut sich bei strahlendem Sonnenschein schwer damit, eine wirklich düstere Stimmung zu schaffen. Im Hintergrund flattert das Bild einer gothischen Kathedrale als Backdrop.
Klasse ist die mit Hits gespickte Setlist, die Therion mit "Blood Of Kingu", "Seven Secrets Of The Sphinx" oder "Lemuria" von ihrer besten Seite zeigt. Die Songs vom neuen Album spielen nur eine untergeordnete Rolle, gerade "Son Of The Staves Of Time" stellt jedoch eines der Highlights dar und bietet Neu-Sänger Thomas Vikström die Gelegenheit, sich richtig auszutoben, ohne dass er jedoch an das heranreichen kann, was sein Vorgänger an dieser Stelle gesanglich zu bieten hatte. Am Ende darf natürlich auch das unverzichtbare "To Mega Therion" nicht fehlen, das von den zahlreichen Fans begeistert aufgenommen und mitgesungen wird.

VOLBEAT (Party Stage)
VOLBEAT schöpfen auch bei diesem Gig aus dem Vollen, reizen das Song-Repertoire ihrer beiden Alben aus und picken sich Perlen ihres bisherigen Schaffens heraus. Mit einer unbändigen Spielfreude nutzen sie die Stunde Spielzeit bis zum Letzten aus, angefeuert von einer frenetischen Menge. Die Live-Tauglichkeit auf kleinen Bühnen haben VOLBEAT in diesem Jahr bereits mehrfach unter Beweis gestellt, jetzt sind sie auch auf den großen Festival-Bühnen angekommen!
Sänger Mikael Poulsen geht mehr und mehr in seiner Rolle als Frontmann und Entertainer auf. Mit Dauer-Grinsen animiert er die Feierwütigen im Stroh, in den Ansagen, während den Songs – wer sich hier nicht anstecken läßt, dem ist auch nicht mehr zu helfen. "Soulweeper", "Radio Girl" oder "River Queen" sind Stationen des dänischen Triumphzuges; nach "The Garden’s Tale" verlassen VOLBEAT unter lauten Zugabe-Rufen die Bühnenbretter.

GRAVE DIGGER (True Metal Stage)
Die Songauswahl ist auch heute exzellent und berücksichtigt neben den zum Pflichtprogramm gehörenden alten Klassikern wie "Morgana LeFay", "Excalibur" oder der Bandhymne "The Grave Digger" die Ohrwürmer der letzten Alben. Mit "Liberty Or Death" startet man in den Set. Ein echtes Highlight ist neben "Rebellion" aber vor allem das extrem groovende "Silent Revolution", mit dem GRAVE DIGGER auf ihrem jüngsten Album ein Volltreffer gelungen ist.
Sympathisch wie eh und je versucht Chris Boltendahl das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Auf Luftmatratzen stürzen sich Crowdsurfer in die Menge, obwohl es eigentlich viel zu heiß ist, um die deutsche Metal-Institution gebührend abzufeiern. Einige tun dies trotzdem bis zum "Heavy Metal Breakdown".

BLIND GUARDIAN (True Metal Stage)
Bereits eine Viertelstunde früher als angekündigt entern die Jungs zu den Klängen von "War Of Wrath" die Bühne und legen erwartungsgemäß mit "Into The Storm" los. Auch die nachfolgenden "Born In A Mourning Hall", "Nightfall" und "The Script For My Requiem" sind echte Songperlen, kennt man aber genau in dieser Reihenfolge bereits von der letzten Tour.
Die zahlreichen Menschen, die das Festivalgelände bis auf den letzten Quadratmeter dicht auf dicht füllen, stört dies hingegen nicht, denn die heutige Tagesform der Band ist bestechend. Gleichermaßen entspannt wie gut gelaunt animiert Frontmann Hansi Kürsch die Fans zu Höchstleistungen und setzt mit seinen Bandkollegen gemeinsam ebenfalls zu selbigen an. Vom jüngsten Album "A Twist In The Myth" hat man "Fly" und "Otherland" im Gepäck. Dass man aber nach wie vor den garantiert live-tauglichen Überohrwurm "Straight Through The Mirror" außen vor lässt, ist schade. Auch die aktuelle Single "Another Stranger Me" kommt nicht zum Einsatz, dafür jede Menge hochkarätiges Material wie "Welcome To Dying", "Bright Eyes" und "Time Stands Still (At The Iron Hill)".
In Sachen Stageacting setzen BLIND GUARDIAN schon immer auf Natürlichkeit. Die Outfits sind dezent, die Gesten frei von poserhaften Rockstar-Allüren. Wenn Hansi beim Singen einmal kräftig mit den Augen rollt und die Hände in Richtung Publikum ausstreckt, ist das über weite Strecken schon das höchste der Gefühle. Auch Marcus Siepen und André Olbrich widmen sich überwiegend breitbeinig ihrem Gitarrenspiel, während die beiden Stamm-Gastmusiker Oliver Holzwarth und Michael Schüren selten bis gar nicht aus dem Hintergrund der Bühne heraustreten.
Dort logiert auch Neu-Drummer Frederik Ehmke, der seine Rolle in der Band gefunden hat und seinen Vorgänger Thomen Stauch nur selten vermissen lässt. Vor allem optisch bringt der bärtige Glatzenträger und notorische Barfußtrommler einen gänzlich anderen Pepp in die Mannschaft und erfüllt seine Aufgabe als Taktgeber mit offensichtlicher Spielfreude und akkribischer Genauigkeit. Es macht einfach Spaß, diesen Jungs zuzuschauen, auch wenn sie im Grunde genau das von sich hören lassen, womit man bereits im Vorhinein fest rechnen durfte.
Nach einer guten Stunde Spielzeit braucht die Band offenbar eine kurze Verschnaufpause und verschwindet kurz von der Bühne, um sich von begeisterten "Zugabe"-Rufen schließlich wieder hervorlocken zu lassen. "Imaginations From The Other Side" bildet den Auftakt zu einem echten Hit-Feuerwerk.
Mit dem "A Night At The Opera"-Stück "Punishment Divine" hatten vermutlich nicht allzu viele gerechnet und mit "This Will Never End" bringt man ein weiteres starkes Stück vom neuen Album. Dazu gibt es noch das stimmungsvolle "Lord Of The Rings" und den obligatorischen Rausschmeißer "Mirror Mirror".

ICED EARTH (True Metal Stage)
ICED EARTH endlich einmal wieder auf deutschem Boden bewundern zu dürfen - Die Freude ist bei vielen groß, so dass nur unwesentlich weniger Menschen auf dem Gelände unterwegs sind als zuvor bei BLIND GUARDIAN. Und die Reaktionen fallen überwiegend positiv aus.
Mit "Declaration Day" eröffnet die Band ihren Set, die neben Schaffer und Owens mal wieder aus einigen neuen Gesichtern besteht. Im Gegensatz zu Bassist Dennis Hayes und Gitarrist Troy Seele war Drummer Brent Smedley in der Vergangenheit schon zweimal eine Zeitlang Mitglied bei ICED EARTH.
Neben "Ten Thousand Strong", das man bereits von der "Overture Of The Wicked"-EP kennt, präsentiert die Gruppe einen weiteren neuen Song, der eine Menge Lust auf das Anfang September erscheinende "Framing Armageddon"-Album macht. Zwischen den einzelnen Stücken verschwendet die Band nicht viel Zeit auf Ansagen, sondern spielt in der eingesparten Zeit lieber einen Song mehr. Jon Schaffer steht breitbeinig und relativ bewegungsarm auf der Bühne, dazwischen wirbelt Ripper Owens über die Bretter.
In jedem Fall dienen perfekt auf die Musik abgestimmte Lichteffekte und ein reichhaltiges Sortiment an Pyro-Effekten dazu, die optische Seite des Gigs zu betonen. Perfekt!

SAMAEL (Party Stage)
Im Fokus des sets der Schweizer stehen Songs des neuen Albums:: "Solar Soul" oder "Slavogracy" fügen sich prima in das Gesamtsoundbild ein. Dieses beinhaltet auch wenige ältere Songs wie "Son Of Earth" oder "Baphomet’s Throne", die aber wie gewohnt in der "neuen" SAMAELschen Spielweise interpretiert werden. Soll heißen: kein roher Black Metal mehr, sondern industrial-geprägte Sounds, bei denen das Keyboard eine tragende Rolle spielt.
Das ganze wird untermalt durch eine gelungene Lightshow, wobei das Backdrop aus auf die Songs passende Animationen besteht. Insgesamt alles sehr stimmig und ein gelungener, wenn auch später Auftritt!


 

Samstag, 04.08.2007

SACRED REICH (True Metal Stage)
Musikalisch sind SACRED REICH einfach Spitzenklasse. Auch vom Stageacting kommen die Jungs sehr sympathisch rüber: Phil Rind besticht durch kraftvollen Gesang und sympathische Ansagen, Wiley Arnett schüttelt sich ein astreines Solo nach dem anderen aus dem Ärmel und Greg Hall und Jason Rainy versorgen alles mit mächtigem Groove.
Leider spielen sie keinen einzigen Song des ’96er Überwerks "Heal". Zum Abschluss darf noch jeder zum BLACK SABBATH-Kultsong "Warpigs" mitsingen, bevor SACRED REICH unter Begeisterungsrufen die Bühne verlassen (müssen).

HEAVEN SHALL BURN (Party Stage)
Als die fünf sympathischen Jungs die "Party Stage" entern, gibt es für die reichlich anwesenden Fans kein Halten.Musikalisch liegt das Hauptaugenmerk auf den letzten beiden Alben, was mehr als gut ankommt. Der Höhepunkt ist schließlich der riesige Circle Pit rund um den in der Mitte des Zuschauerraums befindlichen FOH-Bereich mit angrenzendem Bierstand, den Marcus Bischoff fordert und natürlich auch bekommt.

STRATOVARIUS (True Metal Stage)
Mit "Hunting High And Low" hat die Band ihren vielleicht größten Hit als Opener ausgesucht und mit "Speed Of Light" legt man sofort einen weiteren Klassiker nach.
Sänger Timo Kotipelto ist gut bei Stimme und Bandleader Tolkki gibt das seit jeher gewohnte Bild ab: Seine Gitarrenarbeit ist exzellent, doch mit dem Bühnenacting ist es leider nicht weit her. So ist es die aufgabe vom Rest der Band, für gute Stimmung zu sorgen. Allen voran Keyboarder Jens Johansson und Schlagzeuger Jörg Michael, der gegen Ende - noch während des Spielens - etliche Sticks ins begeisterte Publikum feuert. "A Million Lightyears Away" und "Father Time" sind ohnehin Stimmungsmacher.
Und dann präsentiert die Band tatsächlich einen neuen Song, der auf den Namen "Last Night On Earth" hört und die Band wieder von ihrer klassischen Seite zeigt. Vergessen ist die experimentelle Phase mit dem selbstbetitelten Album, von dem heute übrigens kein einziger Song gespielt wird. Das neue Material klingt nach einem erneuten Richtungswechsel und geht als astreine STRATOVARIUS-Hymne durch, die auch auf einem Album wie "Destiny" oder "Episode" hätte stehen können.
Zum Abschluss gibt es noch "Eagleheart" und das absolut geniale "Black Diamond", das von den recht zahlreich in der Mittagssonne ausharrenden Fans begeistert beklatscht wird.

DESTRUCTION & Guests (Black Stage)
Dann ist es Zeit für das deutsche Thrash-Urgestein DESTRUCTION: Bis weit hinten stehen die Leute, wenn auch gemütlich, weil man sich nicht direkt vor die Bühne quetscht. Und kaum stehen die Mannen um Chef-Zerstörer Marcel "Schmier" Schirmer auf der Bühne, werden auch schon Klassiker wie "Mad Butcher" oder "Death Train" geschmettert, bevor zum Song "Alliance Of Hellhoundz" vom letzten Album "Inventor Of Evil" die Gäste auf die Bühne kommen: Peavy von RAGE, Blitz von OVERKILL, Oddleif Stensland von COMMUNIC, Onkel Tom und Ex-Gitarrist Harry Wilkens. Alles in allem eine "nette", abwechslungsreiche Party...

TYPE O NEGATIVE (True Metal Stage)
Wie üblich zieren neben diversen Wasserflaschen, Wein und Jägermeister die Bühne, von denen Fronter Pete Steele im Laufe der Show reichlich Kosten wird. Leider ist es von Anfang an die dünne Stimme von Pete Steele, die bei den Anwesenden einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Viele Songparts werden gesanglich von Kenny Hickey unterstützt oder sogar ganz übernommen. Spielfreude oder Spaß an der Interaktion mit dem Publikum = Null.
Zwischen den einzelnen Songs verschwindet die Band immer wieder hinter der Bühne, so dass man sich jedes Mal fragt, ob sie überhaupt noch wieder kommen. Sie spielen zwar viele ihrer Topsongs ("Black Nr. 1", "My Girlfriend's Girlfriend" oder "Bloody Kisses"), die jedoch sehr eigenwillig intoniert wirken. Nach ca. 45 Minuten, inklusive (Trink-)Pausen, und nachdem Mr. Steele massive Probleme mit der Schwerkraft hat, verlassen TYPE O NEGATIVE die Bühne. Davor verbleiben reichlich enttäuschte Fans.

IMMORTAL (Black Stage)
Dann der langerwartete Augenblick: die IMMORTAL-Reunion-Show. Technisch gut, ein glasklarer Sound sowie eine tolle Setlist - alle Klassiker der Band werden rausgehauen, so dass der Fan in dieser Hinsicht wunschlos glücklich ist - untermalt von einer netten Lichtshow sorgen dafür, dass IMMORTAL zu den Top-Bands auf dem W:O:A 2007 gezählt werden können.

STORMWARRIOR featuring Kai Hansen (Party Stage)
Frisch aus dem Studio präsentiert man mit "Heading Home" einen neuen Song vom in Kürze erscheinenden neuen Album. Die Fans lassen sich auf die Hanseaten ein und bringen sich schon einmal in Form für das, was alle sehnsüchtig erwarten. Deswegen ist die Freude auch entsprechend groß, als der Sänger verkündet: "Noch ein STORMWARRIOR-Song, dann tanzt hier der Kürbis!"
Und so ist also endlich der Moment gekommen, in dem Kai Hansen die Bühne betritt und mit ganz alten HELLOWEEN-Hits eine Dreiviertelstunde lang für beste Partystimmung im Publikum sorgt. "Ride The Sky", "Judas", "Murderer", "Victim Of Fate" - ein Kracher folgt auf den anderen.
Highlight ist in jedem Fall der Abschlusssong "I Want Out", den praktisch alle Anwesenden Wort für Wort mitsingen können.

IN FLAMES (True Metal Stage)
Im Gepäck hat man natürlich wieder jede Menge Pyros, die dem Bandnamen alle Ehre machen, und eine Setlist, die keine Wünsche offen lassen dürfte. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf dem Material des jüngsten Studiowerks, das aber live einen erstklassigen Eindruck hinterlässt.
Ein paar mehr ältere Sachen hätte man durchaus spielen dürfen, aber so lange das unverzichtbare "Only For The Weak" Verwendung findet kann man durchaus zufrieden sein. IN FLAMES haben einfach zu viele Top-Tracks in ihrem Fundus, als dass man erwarten könnte, diese alle auf einer 75-minütigen Setlist wiederzufinden.

OUTRO

Unser Dank geht an das gesamte WACKEN OPEN AIR-Team für das tolle Festival und die gute Organisation.

SEE YOU IN 2008 - RAIN OR SHINE!